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Interview mit Francis Lucille

Interview mit Francis Lucille

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Entspringt spontanes Handeln dem Totalsein?

Ja. Letztendlich entspringen alle Handlungen dem Totalsein, doch spontanes Handeln entspringt dem Totalsein direkt und wissentlich, während nicht-spontanes Handeln aus der Überzeugung kommt, dass Ich ein “Handelnder” bin. Diese ist vor und auch im Laufe der Handlung da. 
Um zu erläutern, was Widerstand ist, nehme ich gerne das Beispiel vom Tennisspieler. Er liebt es, drei Stunden lang in der Hitze gegen einen zähen Gegner zu spielen. Das bringt große körperliche Anstrengung mit sich, doch er liebt das Spiel und es macht ihm Spaß. Wenn er nach Hause kommt, hat er müde Beine. Nun bittet ihn seine Frau, den Müll rauszubringen. Im Vergleich zu der vorherigen Anstrengung ein Klacks – doch nun kommt als zusätzliche Empfindung der Widerstand dazu. Normalerweise wird der Körper nicht wahrgenommen, was dazu führt, dass er zum wichtigsten Versteck für unser Gefühl von Getrenntheit wird. Aufgrund unseres Widerstandes übersehen wir diese Gefühle, diese Inhalte im Körper. Und wenn wir sie sehen, dann sehen wir sie nur halb. Weil wir sie nicht völlig und mit offenen Augen anschauen, verführen uns die verschiedenen Inhalte dieser Störungszone zu dem Glauben, dass wir sie sind, dass wir der Körper sind – genauso, wie wir das Seil auf dem Boden nur im Dämmerlicht mit einer Schlange verwechseln können. In der totalen Dunkelheit können wir beide nicht sehen. Im hellen Licht sehen wir das Seil. Und nur in der Dämmerung sehen wir die Schlange. Diese ungenau wahrgenommenen Empfindungen im Körper führen zu der Illusion, dass es da jemanden gibt. Das wiederum verleiht meiner Vorstellung, eine getrennte Person zu sein, Gewicht. Es verleiht ihm eine scheinbare empirische Basis. In dem Moment, wo ich diese Empfindungen völlig willkommen heiße, sind sie sofort dort draußen, offen sichtbar. Wie kann ich mich dann noch für diese Empfindungen halten? Sie sind nicht mehr und nicht weniger ich, als der Gesang der Vögel.

Andere Wahrnehmungen, die auf uns zu kommen, das Hören, das Sehen und so weiter, verbinden sich miteinander zu diesem Gefühl von etwas Persönlichem. Was sie dabei besonders unterstützt, ist, dass sie in bekannten Mustern erscheinen. Wenn ich zum Beispile in einen Spiegel schaue, sieht das Bild (dieses Gesicht) immer fast gleich aus. Das bekannte Muster hat anscheinend eine verstärkende Wirkung auf dieses Konstrukt. Wenn ich aber garkein Individuum bin, warum haben diese Erfahrungen solch einen roten Faden?

Wenn sich ein Muster wiederholt, kann man daraus nicht folgern, dass man dieses Muster ist. Jeden Morgen, wenn ich ins Bad gehe, escheint mir dieselbe Szene, die Zahnbürste und alles andere. Doch ich schließe daraus nicht, dass ich das Bad bin. Diese Wiederholungen erschaffen die Idee eines soliden Objektes. Und – anders, als die hochfrequenten Muster, welche in Träume erscheinen – sind solide, greifbare Objekte genau das: sich hochgradig wiederholende Muster. Alles, was wir sehen, ist mehr oder weniger eine Gewohnheit. Der Körper selbst ist eine Gewohnheit – Moleküle, die auf bestimmte Art miteinander tanzen. Wir können aus diesen Wiederholungen nicht schließen, dass wir dieser Körpertanz hier sind – 
oder jener Zahnbürstentanz dort auf der Ablage. Das ist merkwürdig, aber es ist merkwürdig, weil es merkwürdig sein soll. Es soll diese unwahrscheinliche Illusion des Maya erschaffen. Es ist nicht nur merkwürdig, dass mir jeden Morgen derselbe Körper im Spiegel begegnet – es ist ebenso merkwürdig, dass sich auch die Zahnbürste dort draußen befindet. Die Zahnbürste existiert nur, wenn sie wahrgenommen wird, sie wird nur im Moment der Wahrnehmung erschaffen, löst sich dann in nichts auf und wird neu erschaffen, wenn ich wieder hinschaue.

Gibt es nur einen Blickpunkt? Es besteht die Annahme, dass es mehrere gibt.

Wenn man die Möglichkeit nicht ausschließt, dass das Bewusstsein, welches die Frage stellt und das Bewusstsein, welches die Antwort gibt dasselbe ist, dann wird sich zeigen, dass es nur einen Blickpunkt gibt. Das ist ein großes Mysterium. Die Offenbarung, dass das Bewusstsein nicht persönlich ist, kann wahrhaft Erleuchtung genannt werden. Solange mir klar ist, dass alles Bewusstsein ist, stellt dieses Bewusstsein den unterliegenden Grund von allem dar, was ich kenne oder erlebe. Solange ich noch glaube oder fürchte, dass dieses Bewusstsein ein persönliches ist, befinde ich mich nicht im Bereich des Bewusstseins, und was ich Bewusstsein nenne ist nichts anderes, als die persönliche Mentalebene. An dem Punkt habe ich vielleicht verstanden, dass die Mentalebene alles umfasst, aber ich habe die Brücke noch nicht überschritten. Ich muss mich der Möglichkeit öffnen, dass dieses Bewusstsein uns allen gemeinsam ist. Ich muss mich dem Wunder, muss mich einer anderen Dimension öffnen, der Dimension des Heiligen. Wenn ich mich dieser Dimension öffne, dann wird sie mich auf irgend eine Weise erleuchten. Auf welche Art meine Erleuchtung geschieht, das ist die Angelegenheit dieser Dimension, doch ich muss überzeugt sein. Dann wird es sich zeigen. In unseren Dialogen kann uns unsere Vernunft zeigen, dass es keine logischen Schlussfolgerungen oder Fakten gibt, die den Beweis dafür liefern, dass dieses Bewusstsein ein persönliches ist. Dann sind wir frei. Dann sind wir offen. Mit unsere Vernunft können wir die Erfahrung, dass es unpersönlich ist, nicht beweisen. Sie kommt aus einer anderen Richtung, sie kommt aus dem Bewusstsein selbst, aus dem Licht selbst. Uns wird immer wieder einen Einblick gewährt, bis wir schließlich und allmählich offen sind. Die Möglichkeit wird sozusagen immer realer. Wir müssen verstehen, dass es hier und auch dort nur ein einziges Bewusstsein gibt. Tatsächlich ist das Bewusstsein immer hier, aber dieses Hier ist überall. Ich muss mich nur von den alten Konzepten befreien. Das ist sehr wichtig. Zu sehen, dass es für sie keinen Boden mehr gibt, damit wir in die Position kommen, sagen zu können: “ich weiß nicht.” Das ist die Position, in der ich alles vergessen habe, was ich wusste, in der ich nichts mehr besitze. Das bedeutet “arm im Geiste” zu sein – man weiß nichts, hat nichts, will nichts. Bevor die Freimaurer jemanden einführten, baten sie ihn, ein philosophisches Testament zu verfassen, das alles enthielt, woran er glaubte. Während der Einführung wurde sein kostbares Testament dann vor seinen Augen verbrannt. Es war egal, es hatte keinen Wert. Es stand als Symbol für die Tatsache, dass wir uns, um das Licht, um dieses Verständnis zu erhalten, in einem Zustand der Freiheit befinden müssen, frei von Überzeugungen, offen.

Viele verschiedene Glaubensrichtungen fordern irgendeinen Willensakt oder eine Veränderung. Gibt es Veränderungen, die ich machen kann, oder ist alles einfach so, wie es ist? Es scheint, als ob die letzte uns erhaltene Freiheit diejenige ist, einen Gedanken zu wählen oder nicht zu wählen.

Wählen Sie die Gedanken aus oder kommen sie ungewählt zu Ihnen?

Die Erfahrung ist, dass sie kommen, und dass ich sie willkommen heiße oder nicht.

Wenn man mit einem Gedanken geht, dann ist das ein weiterer Gedanke, der sagt: ìlass uns da mitgehen.î Anders ausgedrückt: wählt man, mitzugehen oder nicht mitzugehen, oder geschieht es? Das muss man als erstes untersuchen. Wenn einem klar wird, dass man an etwas denkt, hat das Denken schon aufgehört. Wenn man erkennt, dass man denkt, ist das schon ein weiterer Gedanke. Er ist ohne Ihre Wahl zu Ihnen gekommen. Wenn Sie Ihre Gedanken auswählen könnten, würden Sie nur glückliche, schöne, intelligente Gedanken denken. Frage: Hat es einen Wert zu versuchen, negative Gedanken zu reduzieren? Antwort: Es hat einen Wert, wenn wir unsere Gedanken wählen. Wenn nicht – welchen Wert hat es dann? Das vielleicht Wichtigste ist es, die Idee loszuwerden, dass wir unsere Gedanken auswählen. Wir sind Kontrollfreaks! In dem Moment wo wir erkennen, dass wir unsere Gedanken nicht kontrollieren, verlieren wir vollständig die Kontrolle. Als ich ein Kind war, gab es Spiel-Steuerräder für Autos, damit die Kinder auf dem Vordersitz mitsteuern und so tun konnten, als hätten sie die Kontrolle. Wenn wir erkennen, dass wir unsere Gedanken nicht kontrollieren, wechseln wir die Plätze. Das ist eine wichtige Verschiebung, wenn wir erkennen, dass wir dieses unnötige Steuern und das Denken, das damit einhergeht, genausogut sein lassen können. Das ist ziemlich entspannend.

Was ist ein Gedanke?

Das, was vor der Frage da war. Er kam aus der Stille, also ist er Stille mit einer Form. Er besteht aus Stille. Er ist eine Weiterführung der Stille. Wenn der Gedanke verstanden wird, kehrt er zurück zur Stille. Dann enhüllt er seine Bedeutung, aber er ist die ganze Zeit Stille gewesen.

Wenn wir bestimmten, zum Beispiel negativen Gedanken unsere Aufmerksamkeit schenken, so ist gesagt worden, dann verstärken wir sie.

Das ist wahr, aber nicht für die Person. Als Person wählen wir unsere Gedanken nicht, sie kommen einfach aus dem Bewusstsein, aus der Quelle. Wenn wir sagen: “Gib dich keinem negativen Denken hin, denn je mehr du das tust, desto mehr wird sich das Denken automatisch wiederholen”, dann sprechen wir mit keiner Person. Wir sprechen mit dem, was die Gedanken in Wahrheit produziert, dem Bewusstsein, mit dem, was produzieren oder nicht produzieren kann. Ansonsten wäre es bedeutungslos, mit Gedanken zu sprechen. Gedanken reproduzieren sich nicht. Wenn wir das jemandem sagen, dann reden wir mit dem Bewusstsein, nicht mit einer Person. Doch normalerweise wird es persönlich genommen und ein Gefühl der Machtlosigkeit entsteht. “Wie kann ich wählen, nicht zu denken?”, “Wenn ich aufhören soll, zu denken, erschaffe ich doch nur einen neuen Gedanken!”, und das soll dann die anderen Gedanken unterdrücken. Diese Aussage richtet sich nicht an ein Individuum, sie ist eher eine Art Gebet, welches sich an das Bewusstsein richtet.

Kann das Bewusstsein denn dadurch konditioniert werden, das man sagt: “Tu das nicht?”

Wir sagen einfach “Hör auf, das zu tun!”. Da sagt das Bewusstsein sich selbst “Hör auf, das zu tun!” Das Bewusstsein hört, was es sich selbst aufgetragen hat, und es kann aufhören, weil es die Macht dazu hat. Das ist wie ein Gebet.

Tun unsere mentalen Aktivitäten und Gedanken das Gleiche?

Die Gedanken gehören niemandem, sie gehören einzig und allein dem Bewusstsein und nicht einer privaten Wesenheit.

Es erscheint, als ob bei einer bestimmten Person dieselben Gedanken in das Bewusstseinsfeld treten.

Ja, daraus entsteht die Person, und daraus besteht sie: Aus einer gewissen gewohnheitsmäßigen Art zu denken. So ist das auf der feinstofflichen Ebene. Auf der grobstofflichen Ebene ist diese Person dieser Körper – ein bestimmtes Muster, in dem Moleküle und Zellen miteinander tanzen.

Wenn das, was Sie sagen, wahr ist, dann müsste ich mit Ihnen den Platz tauschen können – aber ich glaube nicht, dass das funktioniert.

Das würde nur deshalb nicht funktionieren, weil wir glauben, dass es nicht funktionieren würde. Diese Perspektive erscheint uns unwahrscheinlich, weil wir implizit immer die Vorstellung hegen, dass das Bewusstsein persönlich ist. Das bringt alles durcheinander, denn ein persönliches Bewusstsein kann natürlich niemals der Schöpfer sein und die Gesamtheit in sich fassen. Wenn ich also sage, das alles jederzeit im Bewusstsein enthalten und gehalten ist, dann erscheint das unmöglich. Ersetze ich das Wort Bewusstsein aber durch das Wort “Gott”, dann ist es okay. Wenn wir darüber nachdenken, warum es unwahrscheinlich oder unmöglich erscheint, wenn ich das Wort “Bewusstsein” benutze, und möglich, wenn ich das Wort “Gott” benutze, dann erkennen wir, dass wir das Wort ìBewusstseinî mit der Vorstellung einer persönlichen Wesenheit überlagern. Dann stellt sich die Frage: “Warum nicht gleich das Wort “Gott” benutzen?” Das Problem ist, dass wir Gott dort draußen ansiedeln, weit entfernt von dem, was wir sind, und dann den Bezug zu unserer eigenen Intimität verlieren. Dann ist es jenseits unserer Erfahrungswelt. Wenn ich über das Bewusstsein spreche, habe ich, weil es meine “Ich-Bin”-heit ist, einen erfahrungsmäßigen Zugang. Ich sollte ein anderes Wort nehmen – “Bewusstsein-Gott” oder “göttliches Bewusstsein”oder ‘bewusste Gottheit”. Wenn wir das universale Charakteristikum des Wortes “Gott” mit dem direkten Bezug verbinden, den wir zu dem Wort “Bewusstsein” haben, dann erscheint alles möglich. Das beseitigt diese Unwahrscheinlichkeit.

Ich habe verstanden, dass es nichts zu erreichen und nichts zu tun gibt, doch seitdem ist eine Art Faulheit aufgetaucht, dass ìes schon alles okay istî. Ich habe das Gefühl, einen Vorgeschmack und eine Einladung erhalten zu haben, doch zugleich ist da die Besorgnis, dass sich diese Lehre nicht an ein persönliches Individuum richtet.

Jede Bemühung wird in dem Moment spirituell, wo sie einen über die Begrenzungen einer persönlichen Wesenheit hinweg in das Universelle trägt. Das ist der Zeitpunkt, wo man zu einem Wahrheitssucher wird. Dieses Verlangen nach der absoluten Freiheit kommt aus der Freiheit selbst. Auf subtile Art sind wir schon das, wonach wir suchen, doch wir hängen dermaßen an dem Glauben, eine persönliche Wesenheit zu sein, dass wir noch nicht bereit sind, der Einsicht, schon das Bewusstsein zu sein das wir suchen und das unser wahres Wesen ist, Glauben zu schenken. Da scheint also jemand zu sein, der sich befreien will, und da scheint eine Bindung zu sein und ein Vorhaben (undertaking). Und für dieses Vorhaben werden einem solchen spirituellen Suchenden viele Wege angeboten. Dann hat man den letzten Teil der Reise erreicht, alles was getan werden kann, ist schon getan worden, und es gibt nichts mehr zu tun. Das ist der direkte Pfad. Das will nicht sagen, dass der Rest überflüssig war – jeder einzelne Aspekt der Reise war nötig, um einen an jenen Punkt zu bringen. Und wenn man erst einmal dort angekommen ist – warum sich sorgen?

Ein Zweifel kam auf, dass irgend etwas getan werden müsste.

Das Gefühl, es gäbe etwas zu tun, entspringt immer dem Gefühl, dass die Dinge so, wie sie sind, nicht richtig sind, dass sie anders sein sollten – und das müssen wir untersuchen. Die dahinterliegende Vorstellung ist immer: ìunser Glück und unser Frieden hängen von unseren Umständen ab, wenn man also die Umstände ändern würde, könne man den verlorenen Frieden finden.î Alles, was gegenwärtig ist, ist im Frieden gegenwärtig. Der Frieden ist das universelle Gefäß aller Dinge. Man braucht sich den Frieden nicht zu verschaffen – der Frieden ist das Material, aus dem alles gemacht ist. Wenn man das versteht, versucht man nicht mehr, die Dinge zu ändern, weil die Situation ja schon aus Frieden besteht, weil sie reiner Frieden ist.

Hat dieses unpersönliche Bewusstsein an der Freude teil? Heute morgen, während der Meditation sang ein Vogel, und das war sehr klar, sehr schön. Dann sang er wieder, und es war nichts als ein Geräusch da draußen, und die Wertschätzung der Schönheit hatte aufgehört.

Ja. Das hat damit zu tun, dass dieses Schönheit überall ist – doch sie liegt nicht im Objekt. Das Objekt ìVogelî feiert dieses Schönheit nur. Wenn man es als ein mögliches Gefäß für die Schönheit betrachtet, dann verliert man sie, denn sie wird beim nächsten Mal woanders auftauchen, und beim Mal danach wird sie überall und nirgends sein. Das ist ein Versteckspiel, welches man mit sich selber spielt. Das, was man sucht, wird einen necken, und aufgrund seiner universellen Macht, überall zu sein, wird es an den unwarscheinlichsten Plätzen erscheinen. Wenn man es also in den Vögeln vermutet, dann ist es dort nicht mehr. Glaubt man aber, dass es nicht in den Vögeln ist, dann wird es sich dort zeigen. Auf diese Weise bringt es einem bei, keine Wahl zu treffen und für alle Dimensionen offen zu sein – diese weibliche Qualität der totalen Offenheit zu besitzen.

Wenn man sich eines Gedankens voll bewusst ist, dann ist man frei davon. Wenn man sich des Konzeptes, eine persönliche Wesenheit zu sein, voll bewusst wäre – wäre man dann nicht frei? Ist es so, dass die getrennte Wesenheit nicht voll und ganz angeschaut wird?

Ganz genau. Das findet auf zwei Ebenen statt, der Gedankenebene und der Gefühlsebene. Auf der Gedankenebene erscheinen subtile Gedanken, die mit dieser Idee, getrennt zu sein, zu tun haben. Dass sie erscheinen, ist überhaupt kein Problem. Dass wir ihnen Glauben schenken – das ist das Problem. Wir müssen an den Punkt kommen, wo auf die Frage, was wir sind, kein Bild oder keine Empfindung mehr erscheinen können. Wenn wir unerwartet, überrascht gefragt würden, was wir sind, dann würde sofort, instinktiv ìich weiß es nichtî erscheinen. Diese Frage würde uns direkt mit unserer intimsten Realität verbinden, frei von allen Bildern. Einige haben ein klares Bewusstsein von ihrem Körper und ihren Gefühlen, doch mental sind sie unklar. Andere verfügen über mentale Klarheit, doch ihre Körper sind voll mit Inhalten. Es wäre schön, ein Gleichgewicht zu haben.

Das ìich weiß es nichtî bringt große Freiheit mit sich. Es ist solch eine Erleichterung, das Wissen aufzugeben. Antwort: Es ist wundervoll. Dann ist man so unschuldig wie ein Kind. Frei von der Vergangenheit, frei vom Gewussten. Frei von Anbindung. Was dann erscheint, ist wunderbar, es ist von großer Schönheit. Es trägt einen Duft mit sich. In dem Moment kann eine Verbindung stattfinden. Wenn man auf diese Weise lebt, wird das, was man sagt, einem logisch denkenden Menschen wie Unsinn erscheinen. Man könnte sagen: wenn man weiß, dann weiß man nicht, und wenn man nicht weiß, dann weiß man. Für alle diejenigen, die nicht wissen und deshalb wissen, hat solch ein Ausspruch Bedeutung! Im Nichtwissen befinden wir uns auf der Schwelle zum Absoluten. Von dort empfangen wir alles, was wir zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigen. Wenn man Wissen oder Intelligenz benötigt, wird man sie empfangen. Ebenso Liebe oder Schönheit. Wer nichts benötigt, empfängt nichts! Man ist mit dem Ursprung aller Dinge verbunden und deshalb in totaler Harmonie. Deshalb sind wir von dieser Unschuld berührt, die an ein junges Tier denken lässt. Frage: Manchmal sehe ich das “ich bin” als eine Funktion, ein Bezeugen.

Selbst wenn wir es als Funktion benennen, ist darin, weil diese eine dynamische Qualität hat, immer noch eine Begrenzung enthalten. Es gibt auch eine universelle Ruhe. Im Thomasevangelium sagt Jesus den Jüngern auf ihre Frage, was sie sagen sollten, wenn jemand sie fragte, woher sie kämen: “Sagt ihnen, ihr seid die Söhne des Lichts”. Und als sie daraufhin fragten, was sie sagen sollten, was das Licht sei: “Sagt ihnen, es ist eine Bewegung und eine Ruhe.” Nicht nur eine Bewegung. Nicht nur eine Ruhe. Sondern Immanenz und Transzendenz.

Es ist einfach, sich das Bewusstsein als erleuchtend vorzustellen, aber es ist nicht so leicht, zu sagen, dass die Manifestation selber das gleiche Bewusstsein ist.

Der Weise Krishnamenon benutzt das Beispiel von Gesichtern, die in Felsen gemeißelt sind. Er sagt, zuerst sieht man die Gesichter und ist von ihnen wie hypnotisiert. Nachdem man den Anblick der Gesichter eine Weile genossen hat, beginnt man, sich zu langweilen und entspannt sich. Draufhin erkennt man, dass zwischen den Gesichtern der Felsen ist. Wenn man dann die Gesichter aufs Neue anschaut, sieht man den Felsen in den Gesichtern. Hierbei stehen die Gesichter für die Objekte, der Fels zwischen den Gesichtern steht für das bezeugende Bewusstsein, und das Sehen des Felsens in den Gesichtern steht für die Tatsache, dass die Objekte aus Bewusstsein bestehen.

Das ist ein bisschen wie ein Spiegel, in dem Sinne, dass die Objekte im Spiegel nichts anderes sind als Glas.

Ganz genau. Bevor wir die Existenz des Spiegels erkennen, sind wir wie eine Katze, die im Spiegel eine ìandereî Katze sieht und versucht, sie zu fangen. Der Augenblick, wo wir mit dem Spiegel zusammenstoßen – das ist Nirvikalpa Samadhi.